Ah-Bah!

(Angewandt heuristisches Bildbetrachtungs-Anleitungs-Hilfssystem)

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Die Bildbetrachtung in 15 Minuten

Vorgehen:

Schritt 1, Vorbereitung. Schauen Sie dass 15 Minuten lang möglichst nichts und niemand stört. Wecken und schärfen Sie die Sinne: schauen Sie kurz herum, wie sieht Ihre Umgebung aus? Hören Sie welche Geräusche Sie umgeben, fühlen Sie wie sie sitzen und wie sich Ihr Rücken anfühlt, und denken Sie kurz an Kaffee, Zitronensaft, frische Brötchen und ihr Lieblingsparfüm. Damit haben Sie eine Reise durch die fünf Sinne gemacht und diese dabei gleich mal ein wenig aktiviert.

Schritt 2, der Plan. Nehmen Sie ihre ganz individuelle momentane Interessenlage wahr. Was genau möchten Sie heute/jetzt am liebsten betrachten? Nehmen Sie einen Notizblock und notieren Sie diesen Schwerpunkt. Schauen Sie in die Checkliste Kritik, und wählen Sie idealerweise aus jedem Bereich mindestens einen Aspekt. Schreiben Sie diese untereinander auf den Notizzettel, jeweils mit zwei, drei Zeilen Leerraum dazwischen. Dann schreiben Sie ganz unten hin "Spontanbericht".

Schritt 3, die erste Betrachtung. Lehnen Sie sich zurück, richten Sie es sich bequem ein und lassen Sie das zu betrachtende Bild für min. 30 Sekunden auf der Netzhaut zergehen (bildlich gesprochen). Versuchen Sie in dieser Phase nicht zu bewerten oder gross Nachzudenken. Lassen Sie einfach den Blick im Bild herum wandern. Was geht Ihnen nun durch den Kopf? Was hat das Bild mit Ihnen gemacht? Was ist anders als bevor Sie das Bild gesehen haben. Notieren Sie sich diesen Spontanbericht.

Schritt 4, die zweite Betrachtung. Rufen Sie sich in Erinnerung auf was Sie ihren Beobachtungs-Schwerpunkt legen möchten. (Gucken Sie kurz auf den Notizzettel, erstes Wort). Tauchen Sie wieder in die Bildwelt ein, und schauen Sie das Bild mit dieser Schwerpunkt-Brille an. Welche Gedanken kommen auf? Notieren Sie diese stichwortartig.

Schritt 5, die dritte Betrachtung. Nun nehmen Sie die Aspekte aus der Checkliste welche Sie in dieser Betrachtung kommentieren möchten, einen um den anderen, und setzen diese Aspekte wie Filter vor die Nase und betrachten das Bild je mindestens 15 Sekunden so gefiltert, notieren die Gedanken und wechseln den Filter.

Schritt 6, Ausklang. Falls Sie noch andere Bilder betrachten wollen empfehle ich Ihnen diese Betrachtung mental beiseite zu legen. Und am einfachsten gehts das, wenn Sie sich vorstellen wie Sie soeben bemerkt haben dass das Licht wieder angeschaltet wurde und Sie in einem Kinosaal sitzen. Auf der Leinwand vorne sehen Sie noch wie das eben gesehene, alles ausfüllende Bild langsam schrumpft, immer kleiner und dunkler wird, und schlussendlich in der Mitte der Leinwand verschwindet. Die Leinwand ist nun wieder frei für einen neuen Film...


Feedbackstruktur:
Um die gesammelten Eindrücke in einer sinnvollen und angebrachten Weise an den Fotografen zu bringen empfiehlt es sich, zumindest die ersten 65 Lehr-Jahre, eine ziemlich standardisierte Struktur des Feedbacks zu benutzen. Dabei gilt: wenn Sie etwas nicht gut/mangelhaft finden, dann schreiben Sie das nicht, sondern erklären Sie nur was wie besser gemacht werden könnte. Alles andere bringt dem Fotografen nichts. Strukturieren Sie ihre Feedbacks, egal wie kurz oder lang, am besten in der folgenden Art:

  1. Spontane Eindrücke und Gedanken
  2. Was gefällt Ihnen am Bild?
  3. Aussagen aus der 2. und 3. Betrachtung
  4. Technische Kommentare

Bevor Sie das Feedback absenden, lesen Sie es nochmals durch und überlegen sich, was Ihnen dieses Feedback bringen würde, wenn ich es auf Ihr nächstes Bild posten würde...

Kommentar:
Eine solcherart entstandene Bildbetrachtung ist für alle Beteiligten ein sehr wertvolles Stück Arbeit und Passion. Der Betrachter geniesst das Bild in vollen Zügen, lernt selber eine Menge über Bildaufbau und schult seine eigene Wahrnehmung. Der Fotograf profitiert von den Inputs des Betrachters, und kann so erkennen ob das Bild so funktioniert wie er es wollte, und er wird immer wieder die eigenen Bilder total neu entdecken. Die Mitleser profitieren allesamt vom Seh-Genuss und von der Bildanalyse zum schärfen der eigenen Bildbetrachtungs- und Feedback-Fähigkeit. Eine richtige Win-Win-Situation... Eine Gedankenstütze und eine Liste von visuellen Submodalitäten zur Kreativitätsankurbelung stehen zur Verfügung.

Und zudem:
Wenn man sich die Zeit nimmt ein Bild über mehr als nur ein paar Sekunden zu studieren, dann beginnen Bilder in uns zu wirken. Wer das nicht glaubt soll nur einmal die oben beschriebene Prozedur durchführen, und dabei z.B. eines der Panoramabilder von www.driftingaway.org ansehen...



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